Der praktische Nutzen von BML wird in vielfältigen Anwendungen sichtbar, die sowohl vom Fachpublikum als auch von der breiten Öffentlichkeit genutzt werden. Ein Beispiel dafür ist die Bohrpunktkarte Deutschland.
Die aktuelle Bohrpunktkarte Deutschland basiert auf dem Bohrdatenmodell BoreholeML 3.0.1 und gibt Bohrdaten über eine duale Abfrage aus, in der die Bohrungsstammdaten aus der nationalen Bohrdatenbank bei der BGR geliefert werden, die durch regelmäßiges Harvesting der durch die staatlichen geologischen Dienste der Bundesländer bereitgestellten Daten aktualisiert wird. Detailinformationen zu Bohrungen werden hingegen beim Öffnen einer Bohrung in der Kartenanwendung zur Laufzeit über WFS-Dienste direkt von den staatlichen Geologischen Diensten der Bundesländer bezogen.
Schnittstelle für deutsche Bohrdaten (OGC API-Features)
Im Auftrag der BGR wurde eine Schnittstelle gemäß des aktuellen OGC Standards OGC API-Features (OAF) auf Basis der Software deegree entwickelt. Diese Schnittstelle basiert auf der weit verbreiteten OpenAPI-Spezifikation und ermöglicht den automatisierten Austausch von Bohrdaten mittels REST.
Die BGR betreibt auf Grundlage der von den teilnehmenden Ländern bereitgestellten Bohrdaten eine zentrale Bohrdatenbank mit dem Ziel die gesamte Bundesrepublik Deutschland abzudecken. Diese Daten sind neben der Bohrpunktkarte Deutschland, zusätzlich auch über die standardisierte OAF-Schnittstelle zugänglich:
Diese kann auch bei Bedarf in GIS Software eingebunden werden.
Technisch ist die Software für die Schnittstelle frei verfügbar und kann an eine beliebige BoreholeML-Datenbank angebunden werden. Konfigurationen bestehen zum Aufsetzen des BoreholeML 3.2-Schemas für für PostgreSQL/PostGIS, MS SQL Server als auch Oracle Datenbanksysteme.
Einmal an die Bohrdatenbank angebunden ermöglicht die OGC API-Features Schnittstelle die Bereitstellung der dort hinterlegten Bohrdaten als HTML, JSON oder XML (gemäß dem BoreholeML-Schema). Auf diese Weise bereitgestellte Daten lassen sich zum einen manuell über einen Internetbrowser, als auch maschinell bzw. automatisiert durch entsprechend konfigurierte HTTP-Requests abfragen.
Die Schnittstelle basiert auf Open-Source-Komponenten, ist ihrerseits als Open-Source-Software konzipiert und im BoreholeML-Repository zur eigenen Installation frei verfügbar.
Eine Dokumentation der Funktionen, Hinweise zur Installation und Konfiguration und technische Rahmenbedingungen sind im Wiki des Repositories hinterlegt.
QGIS
Für das BoreholeML-Datenbankmodell steht ein vorkonfiguriertes QGIS-Projekt zur Verfügung, welches sämtliche relationalen Verknüpfungen in der grafischen Oberfläche darstellt und somit durch einfaches Auswählen der einzelnen Bohrung sämtliche zu dieser Bohrung erfassten fachlichen Daten in einem Formular anzeigen kann. Zusätzlich werden sämtliche im Modell auf Basis der Codelisten verwendeten Kurzschlüssel in ihrer jeweiligen Volltextübersetzung, wahlweise in Deutsch oder Englisch dargestellt. Die Symbolisierung der Punktgeometrien ist der Bohrpunktkarte Deutschland entlehnt. Durch die Vorhaltung von 3D-Geometrieobjekten im Datenmodell von BoreholeML steht Anwendern zudem die Visualisierung von Bohrpfaden in 3D zur Verfügung.
Das BoreholeML GeoPackage Template wird mit je einem vorkonfigurierten QGIS-Projekt in deutscher und englischer Sprache ausgeliefert und bindet die im OGC GeoPackage enthaltene BoreholeML-Datenbank als Datenquelle an. Grundsätzlich lässt sich auch jede PostgreSQL/PostGIS, MS SQL Server oder Oracle Datenbank als Datenquelle nutzen.
Voraussetzung für die Nutzung des Templates ist eine Installation der Open Source Software QGIS in der Version 3.40 oder neuer.
Das Soil Repository – Die digitale Plattform für geotechnische Daten
Das Soil Repository (SoilRep) ist eine innovative digitale Lösung zur strukturierten Bereitstellung, Speicherung und Visualisierung geotechnischer Daten und Kennwerte. Die Plattform richtet sich an Behörden, Ingenieurbüros, Infrastrukturbetreiber sowie die interessierte Öffentlichkeit und bildet das gesamte Spektrum geotechnischer Untersuchungen ab. Von Standard bis zu wissenschaftlichen Versuchen einschließlich zugehöriger Dokumente. Ziel ist es, geotechnische Kennwerte standardisiert und zentral bereitzustellen und den interoperablen Datenaustausch zu ermöglichen. SoilRep unterstützt die langfristige Sicherung von Versuchsergebnissen, fördert die Interoperabilität im Datenaustausch und schafft eine wichtige Grundlage für digitale Planungsprozesse wie Building Information Modeling (BIM).
Die Plattform ermöglicht eine tief gegliederte Datenhaltung mit umfangreichen Recherche- und Filterfunktionen, die Ablage von Metadaten und Dokumenten, die flexible Abbildung beliebiger Versuche, Prozesse und Randbedingungen sowie die Verwaltung und Georeferenzierung von Kennwerten. Erfasst werden In-situ-Messungen, Sondierungen, Bohrungen, Schürfe sowie Proben und Teilproben, einschließlich der nachvollziehbaren Herkunft abgeleiteter Kennwerte. Als Softwarewerkzeug unterstützt SoilRep eine benutzergeführte und weitgehend automatisierte Bearbeitung – von der Rohdatensichtung bis zur Zusammenstellung aller für den geotechnischen Bericht relevanten, normgerecht dargestellten und benutzerdefiniert gegliederten Anlagen. Auf Basis vorhandener Altdaten verbessert SoilRep die Planung und Durchführung von Baugrunduntersuchungen, senkt Kosten durch Wiederverwendung vorhandener Daten und fördert durch standardisierte Abläufe die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Baugrundbüros. Flexible Import- und Exportschnittstellen ermöglichen die Anpassung an unterschiedliche Datenquellen.
Die technische Basis bildet ein generisches, erweiterbares Datenmodell, das Messdaten und Metainformationen trennt. Codelisten sorgen für konsistente und zukunftssichere Datenverwaltung. Neue Versuchsarten können ohne strukturelle Änderungen integriert werden, wodurch eine hohe Interoperabilität zwischen Systemen und Disziplinen entsteht. Flexible Import- und Exportschnittstellen ermöglichen die Anbindung an unterschiedliche Datenquellen.
Zwei Versionen für unterschiedliche Anforderungen:
SoilRep – die Standardversion für alle Nutzer. Sie bietet eine interaktive Kartenanwendung zur Visualisierung von Bohrpunkten und Kennwerten, Favoriten- und Lesezeichenfunktionen sowie eine intuitive Navigation.
SoilRep Pro – die erweiterte Version für Behörden. Sie ermöglicht die schnelle, automatisierte Erstellung von Kennwerttabellen und Diagrammen für Gutachten. Nach Abschluss der Entwicklungsphase wird SoilRep Pro als Open-Source-Lizenz veröffentlicht und für alle verfügbar sein.
Mit SoilRep entsteht eine digitale Plattform, die geotechnische Daten einfach zugänglich, standardisiert und zukunftssicher macht – für eine effizientere Planung, bessere Zusammenarbeit und nachhaltige Infrastrukturprojekte.
Datenlieferung an bestimmte Bundesländer mittels BoreholeML
BoreholeML als Austauschformat eignet sich prinzipiell auch für die Anlieferung von Bohrungsdaten an die Bundesländer nach § 9 bzw. § 16 GeolDG. Einige Länder (BY, NRW, RP) und die BGR arbeiten daran Bohrdaten im Format BoreholeML im Rahmen der Datenübermittlungen nach GeolDG entgegenzunehmen, um diese in ihre Landesbohrdatenbanken zu importieren. Vor Übergabe der Daten gem. GeolDG sollte eine Abstimmung mit dem zuständigen geologischen Dienst des jeweiligen Bundeslandes erfolgen, um sicherzustellen, dass das Format akzeptiert wird. Einige Softwareprodukte (DCBOHR, GGU-CONNECT, WinBohr) zur Erstellung von Bohrprofilen und Schichtenverzeichnissen erlauben den Export der Bohrungsdaten nach BoreholeML, was eine Abgabe in diesem Format erleichtert.